Aargauer Regierung plant umfassende Sprachstrategie – Französisch könnte später beginnen
Weil viele Jugendliche im Kanton Aargau sprachliche Defizite haben, will die Regierung eine neue Sprachstrategie lancieren. Sie richtet sich insbesondere an Jugendliche mit Migrationshintergrund und soll neben Deutsch auch Englisch und Französisch stärken – wobei der Start des Französischunterrichts möglicherweise nach hinten verschoben wird.
Im Kanton Aargau wird aktuell eine neue Sprachstrategie erarbeitet, mit der die Sprachkompetenzen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund – und allgemein die Sprachförderung in Schule und Vorschulalter – gestärkt werden sollen. Hintergrund dieser Strategie sind schwache Ergebnisse in Deutsch und Französisch bei den nationalen Tests zur Erreichung von Grundkompetenzen am Ende der Volksschule.. Besonders in der Realschule erreichen laut Auswertung beträchtliche Anteile der Lernenden die Mindestkompetenzen in Deutsch und Französisch nicht. Der Regierungsrat hat deshalb entschieden, eine umfassende Spracherwerbsstrategie zu erarbeiten, die systematische Lösungen zur Verbesserung der Sprachkompetenzen über alle Stufen hinweg bietet.
Ein zentrales Element der aktuellen Strategie ist die Frühförderung der deutschen Sprache, schon bevor Kinder überhaupt den Kindergarten besuchen. Zwischen 2021 und 2024 liefen in mehreren Gemeinden pilotierte Sprachförder-Projekte, in denen Vorschulkinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen durch gezielte Angebote, etwa in Spielgruppen oder Kitas, unterstützt wurden. Die Resultate zeigten deutliche Fortschritte bei den Deutschkenntnissen und belegen, dass eine frühzeitige Förderung einen besseren Einstieg in die Volksschule ermöglicht. Aufbauend darauf soll ab 2026 kantonsweit eine Sprachstandserhebung etwa anderthalb Jahre vor dem Kindergartenbeginn erfolgen, um den Förderbedarf möglichst früh zu erkennen und entsprechende Massnahmen gezielt einleiten zu können. Diese Erhebung ist Teil der langfristigen Bemühungen, Kindern gleiche Bildungschancen zu geben und Sprachdefizite vor dem Schuleintritt zu reduzieren.
Die Strategie legt einen starken Fokus auf Deutsch als Grundlage für schulischen Erfolg und gesellschaftliche Integration. Schülerinnen und Schüler, die mit anderen Erstsprache als Deutsch aufwachsen, erhalten nach kantonaler Regelung besondere Unterstützung in der Volksschule, beispielsweise durch Zusatzangebote im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ).
In der laufenden politischen Debatte steht zudem die Organisation des Fremdsprachenunterrichts zur Diskussion: Die Frage, ob und wie der Französischunterricht zeitlich angepasst oder später begonnen werden soll, wird erörtert. Diese Diskussion hängt eng mit der Strategie zusammen, weil zurzeit viele Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit unzureichende Französischkenntnisse aufweisen und einige Stimmen anregen, dass ein verschobener Start des Französischunterrichts mehr Raum für eine vertiefte Deutschförderung schaffen könnte, bevor zusätzliche Fremdsprachen eingeführt werden. Eine solche Änderung wurde bisher nicht verbindlich beschlossen, sondern ist Teil der Überlegungen im Rahmen der Neuausrichtung der Sprachenpolitik im Kanton.
Insgesamt zielt die neue Sprachstrategie darauf ab, Sprachprobleme frühzeitig zu erkennen, gefördert anzugehen und über zielgerichtete Massnahmen – von der Vorschule bis zur Oberstufe – langfristig die Sprachkompetenzen aller Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Die Betonung liegt auf Deutschförderung, aber auch die Zukunft des Französischunterrichts wird im Kontext einer effizienteren Sprachenpolitik offen diskutiert.