Aktuelles

Sport als Promotionsfach am Gymnasium Aargau

Text von Katja Burgherr

Das Bundesgesetz zur Förderung von Sport und Bewegung, das 2011 in Kraft trat, zielt darauf ab, den Stellenwert von Sport und Bewegung in der Erziehung und Ausbildung zu erhöhen. Ein weiteres Ziel ist, die Bedeutung des Fachs Sport für die Schülerinnen und Schüler (SuS) zu stärken und Chancengleichheit für sportlich interessierte und engagierte SuS zu schaffen.

Hintergrund

Bewegungs- und Sportwissenschaften können seit geraumer Zeit als vollwertige Studiengänge auf Bachelor- und Masterniveau an schweizerischen Universitäten und Hochschulen belegt werden. Nach einem abgeschlossenen Masterstudium gibt es die Möglichkeit, eine Dissertation anzufertigen. Es ist daher legitim, dass sportinteressierte SuS durch entsprechendes Engagement und Leistungen auf gute Noten zählen können, die ihnen in ihrer weiteren Laufbahn zugutekommen.

Bereits vor über acht Jahren erhielt der Aargauische Sportlehrerverband (damals AVSS) Unterstützung von verschiedenen Institutionen, darunter das Departement BKS, die Rektorenkonferenz, AMV und alv (heute Bildung Aargau). Aufgrund der Weiterentwicklung der gymnasialen Matur wurde der Entscheid vertagt.

Aktueller Stand

In allen Kantonen wird der Sportunterricht benotet. Dies verlangt bereits heute eine transparente, objektive und faire Notensetzung. Auch im Sportunterricht werden Leistungskontrollen auf Basis von klar kommunizierten Lernzielen durchgeführt. In zwölf Kantonen sowie an der Sekundarstufe I, der FMS, IMS und WMS des Kantons Aargau ist Sport bereits promotionswirksam.

Bildungsziele und Rahmenlehrplan

Das Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) fordert, dass Intelligenz, Willenskraft, ethische und künstlerische Sensibilität sowie physische Fähigkeiten der SuS gefördert werden (Art. 6 Abs. 1d). Der Rahmenlehrplan EDK (Veröffentlichung Juni 2024) listet unter den «Transversalen Unterrichtsbereichen» kognitive und nicht-kognitive Kompetenzen auf, bei deren Entwicklung der Sportunterricht einen wertvollen Beitrag leisten kann. Dazu gehören sozialkommunikative Kompetenzen (Kooperation, Konsensfähigkeit, Verantwortungsübernahme, Auftrittskompetenz) und Selbstkompetenzen (emotionale Lernstrategien, Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Kreativität, Gesundheitsbewusstsein, Leistungsmotivation).

Antrag zur Einführung von Sport als Promotionsfach

Der eingereichte Antrag an die Steuergruppe TP1 fordert die Einführung des Faches Sport als Promotionsfach in den ersten drei Schuljahren am Gymnasium. Dies soll mit der neuen Maturitätsverordnung spätestens im Schuljahr 2027/28 umgesetzt werden. Das obligatorische Fach Sport soll in den ersten drei Schuljahren promotionsrelevant sein. Im vierten Schuljahr soll der Sportunterricht wie bisher stattfinden und mit einer Note im Maturitätszeugnis aufgeführt werden. Diese Note zählt jedoch nicht für das Maturitätszeugnis.

Fragen zu Sport als Promotionsfach

Im Zusammenhang mit Sport als Promotionsfach wird häufig das Argument der Benachteiligung von motorisch und koordinativ weniger starken SuS ins Feld geführt. Interessanterweise werden solche individuellen Unterschiede in anderen Fächern – zu Recht – kaum thematisiert. Denn solche Unterschiede sind nur in Ausnahmefällen ein angeborener Vorteil, meist sind sie das Ergebnis von Einsatz, Interesse und Übung. Dies ist auch im Sport nicht anders und kontinuierliches Training führt zu einer Verbesserung. Selbstverständlich gibt es auch körperliche Benachteiligungen, welche zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit führen. Diese werden bei entsprechenden Arztzeugnissen bereits heute mit Nachteilsausgleichen oder Teildispensationen gehandhabt. In seltenen Fällen kann es, wie in der Fachmittelschule auch, zu Dispensationen vom Sportunterricht kommen. 

Eine weitere Befürchtung einzelner Fachlehrpersonen ist die Verwässerung der Promotion und eine Abnahme der Bedeutung des eigenen Faches. Dies ist jedoch nicht einem möglichen Promotionsfach Sport anzurechnen, sondern dem bereits heute relativ breiten Fächerkatalog. Ein zusätzliches Fach macht hier keinen wesentlichen Unterschied, gleichzeitig trägt aber jedes dieser Fächer zum allgemeinbildenden Charakter der gymnasialen Matur bei. Das Promotionsfach Sport würde diesen allgemeinbildenden Charakter unterstreichen, indem es die motorisch-koordinativen Kompetenzen der SuS in die Beurteilung einfliessen liesse.

Quintessenz

Die Einführung des Faches Sport als Promotionsfach am Gymnasium Aargau ist eine logische Weiterentwicklung im Sinne der eidgenössischen Bildungsziele, um die Bedeutung von Sport und Bewegung in der Bildung zu stärken, die vom MAR genannten Bildungsziele zu erreichen und die Chancengleichheit für sportlich engagierte Schülerinnen und Schülern zu gewährleisten.

 

 

 

 

 

Aarau, 13.2.2025

Für die Fraktion Sport: Stefan Frei, Präsident

Interne Arbeitsgruppe: Christine Brozzo Zimmermann, Andreas Thoma, Tobias Spinnler