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Die Schule kann nicht alle Baustellen der Gesellschaft lösen –  und schon gar nicht «kostenneutral»

Text von Katja Burgherr

Der Grosse Rat strotzt nur so vor Tatendrang: Gleich acht Vorstösse mit Bezug zur Bildung lagen an der letzten Vorstandssitzung auf dem Tisch von Bildung Aargau. So unterstützt der Vorstand von Bildung etwa das Anliegen aus dem Postulat von Alain Burger (SP), das den Regierungsrat beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der die administrative Belastung der Lehrpersonen im Kanton Aargau umfassend analysiert und kantonale Unterschiede sichtbar macht. Auch die Interpellation von Titus Meier (FDP) stellt wichtige Fragen nach Chancen und Risiken von KI im Unterricht, bestehenden Regeln sowie geplanten Massnahmen zu Fairness, Datenschutz und Missbrauch. Ebenfalls interessant ist die Motion von Uriel Seibert (EVP). Er fordert, dass Lehrpersonen ohne EDK-anerkannte Ausbildung im Kanton Aargau verpflichtend ein Assessment und gegebenenfalls eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren müssen.* Zwei Vorstösse betreffen Die Schulleitungen: Jeanine Glarner fordert den Regierungsrat auf, die notwendigen rechtlichen Grundlagen für eine obligatorische kantonale Basisschulung für neue Schulleiterinnen und Schulleiter und eine Fortbildungspflicht für an der Aargauer Volksschule tätige Schulleiterinnen und Schulleiter einzuführen. Martin Bossert wiederum wünscht sich eine (teilweise) Finanzierung des Schulleitungs-Lehrgangs bei freier Anbieterwahl, gekoppelt an eine Empfehlung und mit Rückzahlungspflicht bei Abbruch oder frühem Austritt. Eine Interpellation von Nicole Burger (SVP) thematisiert mangelnde Deutschförderung durch Eltern, die Deutsch beherrschen (Secondos), und fragt nach möglichen Massnahmen oder Sanktionen, um sie stärker in die Pflicht zu nehmen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, inwiefern es überhaupt legitim und praktisch umsetzbar ist, Eltern für ein solches Verhalten zur Verantwortung zu ziehen oder gar zu sanktionieren.

 

Die breite Palette an Forderungen, Fragen und Vorschlägen zeigt: Das Thema Bildung bewegt im Kanton Aargau und der Reformwille ist klar erkennbar. Gleichzeitig fällt auf, dass erkannte Probleme zwar benannt und Lösungsansätze skizziert werden – diese jedoch häufig mit der Erwartung verknüpft sind, ohne zusätzliche finanzielle Mittel auszukommen. «Kostenneutralität» wurde gewissermassen zum Bonmot in der Aargauer Politik – zumindest immer dann, wenn es um die Bildung geht. Wenn wir schon bei Kosten wären: Der finanzielle Aufwand der Kantonsverwaltung für einen durchschnittlichen parlamentarischen Vorstoss beträgt laut der AZ 1500 Franken – hinzu kommen die vielen Arbeitsstunden, welche die Mitarbeitenden einer der «schlanksten Verwaltungen der Schweiz» dafür leisten. Bildung Aargau findet: Weniger ist manchmal mehr und wenn man in der Bildung wirklich etwas verändern will, kommt man mit «Kostenneutralität» nicht weit. Bildung ist einer der wichtigsten Potenziale unseres Landes. Wer hier spart, wird später umso teurer bezahlen. Es braucht deshalb den Mut, Prioritäten zu setzen und gezielt zu investieren – in gute Rahmenbedingungen für Lehrpersonen, in wirksame Unterstützung für Schülerinnen und Schüler und in eine Schule, die sich auf ihren Kernauftrag konzentrieren kann. Nur so lassen sich nachhaltige Verbesserungen erreichen, anstatt Probleme lediglich kurzfristig zu verschieben.

 

 

 

*Davon ausgenommen werden müssten gemäss Vorstand von Bildung Aargau die ersten Quereinsteigenden, die nur ein kantonal anerkanntes Diplom erhalten haben.