Schulsozialarbeit und schulische Heilpädagogik

Die Zahl von Jugendlichen, die besondere schulische Bedürfnisse haben, nimmt auch auf der Sekundarstufe II zu. Bildung Aargau hat sich im letzten Jahr deshalb intensiv mit der Frage beschäftigt, was Schulsozialarbeit und schulische Heilpädagogik auf der Sekundarstufe II bewirken könnten. Entstanden sind Ideen, ein Argumentarium und die Überzeugung, dass diese Thematik dringend angegangen werden muss.

Der Befund ist eindeutig. Die Zahl jener Jugendlicher, die an Mittelschulen psychische, schulische oder anderweitige private Probleme haben, nimmt zu und erschwert das erfolgreiche Durchlaufen der Schulkarriere. An Berufsschulen und an der ksb sind diese Probleme noch ausgeprägter. Es ist deshalb dringend nötig, auch an diesen Schulen Schulsozialarbeit niederschwellig bereitzustellen.

Zwar haben die meisten Mittel- und Berufsschulen interne Angebote. Es hängt aber stark von der Schule ab, wie gut diese Angebote tatsächlich ausgebaut sind. An den Berufsschulen gibt es die sogenannte Fachindividuelle Beratung FiB. Meist sind dies Lehrpersonen, die sich einschlägig weitergebildet haben und als erste Anlaufstelle rasch reagieren und beraten können. Diese Lehrpersonen haben normalerweise aber weder die Kapazität noch die Ressourcen, um beispielsweise bei einer Mobbingsituation mit einer ganzen Klasse zu arbeiten. Sie arbeiten eben individuell. Schulsozialarbeit könnte deren Arbeit ergänzen und erweitern. Eine Konkurrenz wäre sie nicht.

Weiter ist sowohl an den Mittel- wie an den Berufsschulen zu beobachten, dass vermehrt Personen in einem Lehrgang sind, die für gewisse Fächer Nachteilsausgleiche haben. Damit kann zwar die Chancengleichheit innerhalb einer Gruppe erhöht werden, wenn sich aber niemand um das eigentliche Problem kümmert, das zum Nachteilsausgleich geführt hat, verbessert sich die Situation für die betroffene Person längerfristig nicht. Es wäre deshalb sinnvoll, wenn auch Heilpädagogik an den Mittel- und Berufsschulen verfügbar wäre. Die ordentlichen Lehrpersonen haben typischerweise weder die Zeit noch die Ressourcen oder das Fachwissen, um mit solchen Jugendlichen zu arbeiten. Besonders irritierend ist, dass nicht einmal an der ksb oder im Rahmen von Attestlehren auf Heilpädagogik oder Schulsozialarbeit zugegriffen werden kann. Die ksb hat lediglich aus einem Sonderbudget in diesem Jahr einen Piloten im Bereich Heilpädagogik eingesetzt.

Schliesslich stellen Berufsschullehrpersonen fest, dass die Klassen immer heterogener werden, während gleichzeitig mehr individuelles Lernen gefordert wird. Deshalb ist die Frage nach Klassenassistenzen auch an Berufsschulen aufgetaucht. Diese Thematik hat Bildung Aargau vorläufig aber noch nicht weiter aufgegriffen und vertieft.

Bildung Aargau ist klar der Meinung, dass Heilpädagogik und Schulsozialarbeit auch auf der Sekundarstufe II als Ergänzung zu bestehenden Angeboten vorhanden sein müssen. Wir thematisierten diese Fragen an den Runden Tischen Mittel- und Berufsschulen und in bilateralen Gesprächen mit Rektoren oder Rektorinnen. Diese sehen den Bedarf in der Regel auch und haben, wie gesagt, auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten Massnahmen eingeleitet.

Intern war die Thematik Heilpädagogik und Schulsozialarbeit in mehreren Sitzungen der Geschäftsleitung und der Plattform Sek II ein Thema. In der Plattform Sek II ging es zuerst einmal darum, zu eruieren, welchen Bedarf es gibt und was bereits gemacht wird. Dann wurden mögliche Lösungsideen gesammelt und das weitere taktische Vorgehen auf politischer Ebene diskutiert. Schliesslich entstand ein Argumentarium zum Thema Heilpädagogik und Sozialarbeit auf Sekundarstufe II, welches aber noch nicht definitiv verabschiedet ist.

Im kommenden Jahr wird es darum gehen, basierend auf diesem Argumentarium das weitere Vorgehen zu planen und konkrete Forderungen zu formulieren. Damit erhoffen wir uns eine höhere Qualität des Aargauer Bildungswesens generell. Natürlich würde auch die Annahme unserer Volksinitiative Rückenwind für das Anliegen bedeuten.