Primarschulfranzösisch und Fremdsprachenstrategie

Das Primarschulfranzösisch ist leider eine unbefriedigende Sache. Deshalb war Bildung Aargau nicht überrascht, als bekannt wurde, dass die Französischkenntnisse vieler Jugendlicher am Ende der Schulzeit schwach sind. Bildung Aargau begrüsst die angedachte Sprachenstrategie und will sich aktiv in die Diskussion einbringen.

Die Resultate der Überprüfung der Erreichung der Grundkompetenzen im Fach Französisch, durchgeführt durch die Erziehungsdirektorenkonferenz, warf hohe Wellen. Es zeigte sich, dass die Grundkompetenzen in der gesamten Deutschschweiz nur ungenügend erreicht werden.

Für Bildung Aargau kommen diese Resultate nicht überraschend. Seit Jahren hören wir von aargauischen Lehrpersonen der Sekundarstufe II, dass sich die Sprachkompetenzen im Fach Französisch trotz des frühen Beginns in der fünften Klasse nicht verbessert hätten. Auf der Volksschule wiederum wird kritisiert, dass der Lehrplan überladen sei und zwei Fremdsprachen viele Kinder überfordern. Aufgrund des hohen Anteils von Kindern mit Migrationshintergrund in diversen Aargauer Gemeinden, sind viele Kinder im Grunde sogar mit drei Fremdsprachen konfrontiert. Zwar gibt es Studien, die zeigen, dass Kinder, welche sich das Erlernen fremder Sprachen gewohnt sind, leichter eine neue Fremdsprache erlernen. Die Lehrpersonen in den Klassenzimmern machen aber leider andere Erfahrungen.

In den Schulen wiederum spitzt sich das Problem des Fachkräftemangels zu. Viele Schulen haben Mühe, qualifizierte Französischlehrpersonen zu finden.

Übrigens, auch die Englisch-Skills sind nicht immer auf dem Niveau, auf dem sie sein sollten...

Der damalige Bundesrat Ueli Maurer live on CNN

Wir haben die Thematik deshalb schon im Laufe des letzten Verbandsjahrs aufgegriffen und in der Geschäftsleitung und im Verbandsrat mehrfach diskutiert. Die Geschäftsleitung hatte das Thema an sechs der insgesamt 17 Sitzungen thematisiert. Dabei zeigte sich, dass mit der momentanen Situation niemand wirklich zufrieden ist. Im besten Falle könnte mit einer angepassten Didaktik mehr Nutzen aus den drei Wochenlektionen gezogen werden. Die Idee des Sprachbades, auf welchem auch die Lehrmittel basieren, funktioniert in dieser kurzen Zeit jedoch nicht. Das Sprachbad sollte bewirken, dass die Kinder ohne explizit Wörter zu lernen, also rein durch das Hören, die Sprache automatisch erlernen. Dies bräuchte aber einen praktisch vollständig immersiven Unterricht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kinder in der fünften Klasse für die intuitive Sprachaufnahmen bereits ein bisschen alt sind. Deshalb erachten wir den Begriff «Frühfranzösisch» nicht als sinnvoll. Wir bevorzugen den Begriff «Primarschulfranzösisch».

In Anbetracht dieser grossen Herausforderungen, den schwachen Resultaten und der Diskussionen im Verbandsrat sind wir der Meinung, dass die Sprachstrategie überdacht werden muss. Einerseits muss der (Fremd-)Sprachenunterricht didaktisch angepasst werden, anderseits sollte eine Fremdsprache wohl sinnvollerweise in den 3. Zyklus verlegt werden. Ob dies Französisch oder Englisch sein soll, muss noch diskutiert werden. Es ist dabei zu beachten, dass Massnahmen ergriffen werden, welche den kulturellen Austausch zwischen den Landesteilen erhalten. Diese Position vertraten wir auch in einer Sitzung mit Regierungsrätin Martina Bircher und der Spitze des Departements BKS.

Ebenfalls brachten wir diese Haltung in den LCH ein. Der LCH will sein Positionspapier zur Sprachstrategie überarbeiten und hatte dazu eine Vernehmlassung durchgeführt, an welcher sich Bildung Aargau beteiligte. Auch diese Vernehmlassung unter den LCH-Mitgliedsorganisationen zeigte, dass die Sprachstrategie in der vorliegenden Art von der überwiegenden Mehrheit der Lehrpersonen als nicht zielführend betrachtet wird.