Integrative Schulung

Die integrative Schule funktioniert nicht so, wie sie sollte. Bildung Aargau hat deshalb schon vor über einem Jahr ein Positionspapier zur integrativen Schule verfasst. Im vergangenen Jahr ist nun auch die Politik auf dieses Thema aufmerksam geworden. Bildung Aargau hat seine Position einbringen können.

Seit Thierry Burkart, Präsident der FDP, im Sommer 2024 die Integration an den Schulen für gescheitert erklärte, bewegt das Thema nicht mehr nur Bildungsfachleute, sondern ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Im Aargauer Grossen Rat wurden mehrere Vorstösse zur integrativen Schule eingereicht. Meist zielten die Anliegen darauf ab, die integrative Schule rückgängig zu machen und wieder vermehrt separativ zu unterrichten. Leider wurden dabei häufig verschiedene Dinge vermischt. So ist beispielsweise meist nicht klar, was genau gemeint ist, wenn von Förderklassen die Rede ist. Geht es um einen Ausbau der Kleinklassen, die im Kanton Aargau seit jeher zulässig sind, aus Kostengründen aber oft nicht mehr gemacht werden? Geht es um eine Entlastung der Sonderschulen, welche wesentlich teurer sind als die Regelschulen und deutlich zu wenig Plätze haben? Dies sind nur zwei der Unsicherheiten, die seit Monaten im Aargau und in anderen Kantonen im Raum stehen.

Integration beschäftigt Lehrpersonen stark
 

Das Thema selbst beschäftigt die Lehrpersonen stark. Im Rahmen der Rechtsberatung werden wir immer wieder von Mitgliedern angerufen, die in ihrer Klasse mit einer untragbaren Situation konfrontiert sind und von der Schulleitung alleine gelassen werden. Kinder, welche aufgrund einer körperlichen Behinderung in die Regelschule integriert werden, sind dabei normalweise das kleinste Problem. Wesentlich schwieriger sind Kinder, welche beispielsweise aufgrund von psychischen Beeinträchtigungen verhaltensauffällig werden. Der Anteil dieser Kinder ist eindeutig am Zunehmen. 

Schliesslich finden sich heute in einer durchschnittlichen Klasse auch Kinder, die scheinbar grundlos verhaltensauffällig oder gar aggressiv werden. Diese Kinder wären infolge ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit auch nicht in einer Kleinklasse. Die Kleinklasse, sofern es sie noch gibt, richtet sich eigentlich an kognitiv schwächere und nicht an verhaltensauffällige Kinder. Bei diesen Kindern ist oft auch die Heilpädagogik die falsche Adresse. Hingegen können Schulsozialarbeit oder Sozialpädagogik hilfreich sein.

Bildung Aargau begrüsst somit grundsätzlich, dass sich die Politik und die Öffentlichkeit mit diesem wichtigen Thema beschäftigen. Wir wünschten uns aber mehr Differenziertheit.

Bildung Aargau hatte schon im Verbandsjahr 2023/24 nach intensiven internen Diskussionen ein Positionspapier zur Integrativen Schule erstellt. Bereits in diesem Papier bringen wir die Idee des alternativen Lernorts ins Spiel, weil es tatsächlich Situationen geben kann, in denen Kinder in einer Regelklasse (vorübergehend) nicht mehr tragbar sind.

Kleinere Klassen machen das System tragfähiger
 

Um das Problem längerfristig lösen zu können, braucht es aber vor allem kleinere Klassen und mehr ausgebildetes Personal. Lediglich verhaltensauffällige Kinder zu separieren, reicht nicht.

Mit dieser Expertise brachten wir uns im vergangenen Jahr in die Debatte ein und wurden auch durchaus gehört. In Aussprachen mit der Spitze des Departements BKS wurde mehrfach über das Thema Integration, Sonderschulung oder auch Einschulungsklassen gesprochen. Ebenfalls im Rahmen des Gremiums «Runder Tisch Volksschule» war Integration ein Thema und in den Geschäftsleitungssitzungen von Bildung Aargau war Integration und besondere Förderung fast an jeder zweiten Sitzung auf der Traktandenliste.

Ähnlich häufig musste sich die Geschäftsleitung von Bildung Aargau nur noch mit einem Thema beschäftigen: Die Sexualaufklärung an der Volksschule. Die politischen Vorstösse zu diesem Thema lösten in der Geschäftsleitung regelmässig Heiterkeit aus. In einem Fall jedoch auch Verärgerung, weil die Annahme dieses Vorschlags für die Lehrpersonen massive Mehrarbeit (ohne erkennbaren Mehrwert) bedeutet hätte. 

Natürlich erhoffen wir uns in unserem Kampf für kleinere Klassen und mehr Fachpersonal Rückenwind von unserer Initiative. Ihre Annahme wäre ein klarer Auftrag an die Politik in diesem Bereich vorwärtszumachen und diese Thematik mit der notwendigen Priorität anzugehen.