Gymnasium 27 + und EBL
Das Gymnasium 27+ und das eigenverantwortliche begleitete Lernen (EBL) hat Bildung Aargau und die Mittelschullehrpersonen im Aargau stark beschäftigt. Lehrpersonen von Bildung Aargau brachten sich in diversen Projektgruppen und weiteren Gremien ein. Über das Schulblatt wurde die Öffentlichkeit über den Fortschritt und die Schwierigkeiten dieses Grossprojekts informiert.
Das Projekt Gymnasium 27+, hat Bildung Aargau und unsere Mitgliedsorganisation Aargauischer Mittelschullehrpersonenverband AMV (seit diesem Sommer Fraktion Mittelschule) auch im vergangenen Verbandsjahr stark beschäftigt.
Eine thematische Kommission unter der Leitung von Roger Sax, Vize-Präsident Bildung Aargau, hatte Vorschläge zum Teilprojekt 1 Grundlagen, Wahlfächer und neuer Fachkatalog gesichtet und anhand einer Umfrage bei den Mitgliedern kommentiert. Im Frühjahr 2025 wurde nach der ausgewerteten und mit allen im Prozess beteiligten Gruppen besprochenen Konsultation die definitive Stundentafel verabschiedet. Viele Anliegen der Lehrpersonen, die sich aus der Fachkonsultation und aus der Umfrage von Bildung Aargau ergeben hatten, flossen in das Endergebnis ein.
«Allerdings blieben Wermutstropfen, die nach Auffassung der Berufsverbände, hätten vermieden werden können.»
AMV und Bildung Aargau hatten sich im Sinne der Mitgliederumfrage, dafür eingesetzt, dass keine Lektionen bestehender Grundlagenfächer gekürzt werden, und dass auf eine ausgewogene Verteilung der Fachbereiche auf die Schuljahre geachtet wird. In beiden Punkten wurden Anpassungen gemacht, allerdings blieben Wermutstropfen, die nach Auffassung der Berufsverbände, hätten vermieden werden können. Dazu gehören die Reduktion der Sprachfächer um insgesamt 1 Lektion und die ungleiche Verteilung der Fachbereiche, wo es bessere Vorschläge gab. Ausserdem sind reine Sprachfächer mit Aussnahme von Spanisch aus dem Katalog der Schwerpunktfächer verschwunden.
Im Frühling startete mit der Lehrplanarbeit das Teilprojekt 2. Mit einem sehr engen Zeitplan wurden die ersten Entwürfe der neuen kantonalen Lehrpläne begonnen, die im Herbst 2025 den Fachschaften vorgelegt werden. Die Finalisierung soll dann im Spätherbst erfolgen. Seitens AMV und Bildung Aargau wird das Wegfallen der schulischen Lehrpläne kritisch gesehen, weil der kantonale Lehrplan nicht den Detailierungsgrad haben kann, den die Schulen vor Ort benötigen.
Im Schuljahr 2024/25 startet das Pilotprojekt zur Weiterentwicklung des eigenverantwortlichen begleiteten Lernens (EBL) an den Gymnasien. Der entsprechende Auftrag erfolgte direkt durch den Regierungsrat. EBL dient dabei nicht ausschliesslich der Schulentwicklung, sondern soll auch helfen, Raum einzusparen. Das Projekt erntete in einigen Fachschaften scharfe Kritik. Auf pädagogischer Seite besteht die Befürchtung, dass EBL zwar das Potential hat, gute Schülerinnen und Schüler zu fördern, aber eben auch die Gefahr in sich birgt, dass schwächere Schülerinnen und Schüler dabei auf der Strecke bleiben.
«Wenn solche Lernformen funktionieren sollen, dann braucht es Raum und Zeit.»
Dem kann entgegen gewirkt werden, wenn die Zeit der «eigenverantwortlichen» Unterrichtsphasen genutzt werden könnte, um schwächere Schülerinnen und Schüler gezielt zu unterstützen. Doch genau dem kommt die Kopplung an das Raumsparen in die Quere. Wenn solche Lernformen funktionieren sollen, dann braucht es Raum und Zeit.
Viele Fachschaften haben auf Initiative von AMV und Bildung Aargau ihre Bedenken schriftlich festgehalten. Diese wurden aber seitens Departement BKS auf keiner Ebene angemessen gewürdigt. Mitsprache gab es bei diesem Projekt keine. Ungeachtet dessen, wird sich Bildung Aargau hier weiterhin dafür einsetzen, dass die Kopplung mit dem Raumsparen aufgehoben wird. Denn in dieser Form ist EBL ein als Innovation getarnter Bildungsabbau.