EBL an den Gymnasien und Projekt Kompass an der KSB
Seit zwei Jahren läuft nun das Projekt «Eigenständiges begleitetes Lernen» kurz EBL an den Aargauer Gymnasien. Von Seiten der Rektoren hört man meist viel Positives. Bei den Lehrpersonen und den Lernenden ist die Bilanz dagegen durchzogen.
Die Fraktion Mittelschulen von Bildung Aargau wollte es genau wissen und befragte die Lehrpersonen. Die Lernenden durften aus rechtlichen Gründen nicht befragt werden.
Das Projekt wird kritisch gesehen. Dies ist wenig überraschend, hatte es doch schlicht zu viele konzeptionelle Mängel. Zum Beispiel die Verknüpfung von Raumsparen mit EBL: Eine solche Verknüpfung sieht die reine Lehre der didaktischen Lernform EBL aus guten Gründen nicht vor. EBL braucht eher mehr Räume. Jedenfalls, wenn man EBL korrekt umsetzt und weiterhin eine qualitativ hochwertige Schule will.
Weiter eignet sich nicht jedes Fach für EBL und kognitive Lernziele müssen typischerweise zugunsten von affektiven und erweiterten Lernzielen wie Kooperation und Selbstorganisation reduziert werden. Davon steht im Projektauftrag nichts. Der Lehrplan sei weiterhin einzuhalten. Dass dies zu Enttäuschung und Frust bei den Lehrpersonen führt, war zu erwarten. Besonders bemerkenswert ist, dass Lehrpersonen, die dem Projekt überdurchschnittlich positiv gegenüberstanden, gemäss Umfrage der Fraktion Mittelschule heute besonders enttäuscht sind.
Es rächt sich, dass die konstruktiven Vorschläge u.A. von Bildung Aargau bei der Projekteinführung weitgehend ignoriert wurden. Bildung Aargau und die Fraktion der Mittelschulen werden das Projekt weiterhin kritisch begleiten und Verbesserungsvorschläge anbringen.
Zwingend ist aus unserer Sicht eine systematische Evaluation des Projekts. Aktuell ist nur angedacht, dass Rückmeldungen aus den Schulen in eine bescheidene Optimierung einfliessen sollen. Immerhin: Auch die Resultate unserer Umfrage sollen berücksichtigt werden.
Trotzdem sind wir der Meinung, dass ein solch grosses Projekt jetzt im Detail evaluiert werden muss. Es dürfen nicht noch einmal zwei Jahre verstreichen. Schliesslich muss die Schlussevaluation in zwei Jahren ergebnisoffen durchgeführt werden. Es darf nicht von Anfang an klar sein, dass das Projekt ein Erfolg war und fortgesetzt wird, bloss, weil das Departement BKS keinen Plan B bezüglich «Raum sparen» in der Tasche hat.
Das andere Projekt, welches uns beschäftigte und Sorgen bereitete, war das Projekt Kompass an der KSB. Zwar verfolgt das Projekt Ziele, die wir grundsätzlich unterstützen können. Der Weg dorthin ist aber problematisch. Ebenso problematisch war bisher, dass Bildung Aargau mit seinen Vorschlägen regelmässig auflief oder gar nicht erst angehört wurde. Dies, obwohl das Projekt die Lehrpersonen stark betrifft und eine tragfähige Sozialpartnerschaft nötig und sinnvoll wäre.
Beispielsweise werden Lehrpersonen zukünftig fachfremd unterrichten müssen, was der Qualität abträglich ist. Ein fachfremdes Thema auf diesem hohen Niveau zu unterrichten, ist für die betroffene Lehrperson mit Frust und hohem Vorbereitungsaufwand verbunden. Entsprechend müssen die Lehrpersonen dringend nachqualifiziert werden. Dafür scheint aber das Geld zu fehlen.
Da die Lernenden bei diversen Fächern selbst wählen dürfen, ob sie es besuchen wollen, muss befürchtet werden, dass Lektionen wegfallen und Lehrpersonen ihr Pensum nicht mehr erhalten. Das könnte gravierende Ritzungen arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen bewirken.
Bildung Aargau wird weiterhin versuchen, auf das Projekt Einfluss zu nehmen und sich für Nachqualifikationen und genügend Ressourcen für die Umsetzung des Projekts einsetzen. Das Projekt darf nicht zu arbeitsrechtlichen Verschlechterungen bei den Lehrpersonen führen.