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Integrative Schule – das ist unsere Haltung

Bildung Aargau sieht in der integrativen Schule ein zentrales Element für eine starke Volksschule in unserem Kanton. Viele Schulen setzen sie bereits überzeugend um. Wo dies weniger gut gelingt, setzt sich Bildung Aargau für bessere Rahmenbedingungen ein und bietet Unterstützung an, damit einerseits alle Kinder optimal gefördert werden, anderseits aber auch die Lehrpersonen die Integration in zufriedenstellender Weise umsetzen können.

Text von Katja Burgherr

Damit Integration gelingt, braucht es tragfähige Rahmenbedingungen: genügend Ressourcen, kleinere Klassen und qualifiziertes Personal. Bildung Aargau ist überzeugt, dass der eingeschlagene Weg mit integrativer Beschulung und ergänzenden Schulangeboten der richtige ist. Schulen, die integrativ arbeiten und gut unterwegs sind, sollen ihre Arbeit unverändert fortführen dürfen. Jedoch sollen auch Schulen und Kollegien, welche andere Angebote benötigen, dies tun dürfen.

Bildung Aargau ist sich bewusst, dass die Meinungen über die integrative Schule unter Lehrpersonen so vielfältig, wie die Schule selbst, sind. Wir erachten deshalb ein differenziertes Vorgehen, welches den unterschiedlichen Situationen und Haltungen von Schulen und Lehrpersonen Rechnung trägt, für notwendig. Schulqualität hängt stark vom Wohlbefinden der Lehrpersonen ab. Deshalb müssen unterschiedliche Haltungen, Überzeugungen, aber auch Sorgen und Ängste von Lehrpersonen ernst genommen werden.

In der aktuellen politischen Diskussion entsteht für uns teilweise der Eindruck, dass ein Keil zwischen die unterschiedlichen Haltungen der Lehrpersonen getrieben werden soll. Dies beobachten wir mit Sorge und darf auf keinen Fall passieren. Wir verstehen einerseits sehr gut, dass Lehrpersonen, die «völlig am Limit laufen» und von Schulleitungen keinerlei Unterstützung erhalten, die integrative Schule am liebsten wieder abschaffen möchten. Andererseits erachtet Bildung Aargau die integrative Schule als wichtiger Fortschritt. Dieser bringt – richtig ausgestattet, d.h. mit den notwendigen personellen und finanziellen Mitteln – gleichwertige oder bessere Leistungen als Sonderschulen und stärkt Chancengerechtigkeit sowie soziale Entwicklung. Leider hat es an ebendiesen personellen und finanziellen Mitteln in der Vergangenheit oft gemangelt.

Die integrative Schule rückgängig zu machen, scheint da ein attraktiver Ausweg. Leider verkennt diese Vorstellung, dass viele Schwierigkeiten an der Volksschule ein Abbild gesellschaftlicher Veränderungen in den letzten Jahrzehnten und bestenfalls indirekt eine Folge der integrativen Schule sind.

Ein Zurück in die gute alte Zeit der 1980er Jahre, wie implizit oft gefordert, ist illusorisch. Kostenneutral lässt sich ein solches «zurück auf Feld 1» schon gar nicht bewerkstelligen. Kleinklassen heissen Kleinklassen, weil sie klein sind und somit viel kosten. Im Kanton Aargau wären solche Kleinklassen nach wie vor zulässig, werden aber aus finanziellen Gründen selten gemacht.

Attraktive Arbeitsbedingungen erhöhen die Tragfähigkeit in den Regelklassen und führen dazu, dass Lehrpersonen wieder vermehrt die Klassenverantwortung übernehmen und in höheren Pensen arbeiten können.  Es ist wichtig, dass Schulen ihren Handlungsspielraum erhalten. Unterstützung ist dort nötig, wo die Herausforderungen zu gross und die Lehrpersonen zu stark belastet sind. Bildung Aargau dankt allen Lehrpersonen für ihren kontinuierlichen Einsatz und ihr Engagement.